Richard Marcus - Der große Schwindler
Im Laufe eines halben Jahrhunderts hat sich ein gewisser Herr namens Richard Marcus ein Vermögen in Casinos in aller Welt zusammengeschummelt. Mit seinem zweifelhaften Talent wurde Marcus zu einer echten lebenden Legende und weithin berühmt - oder berüchtigt, wenn Sie so wollen.
Casinoportalen.de hat die Story zu seinem meistverwendeten Trick zusammengetragen - ein Trick, der nach einer Stripperin benannt wurde. Das ist relativ angebracht, schaffte er es doch, die Casinos im Laufe seiner Karriere um mehr als 5 Millionen Dollars zu entblättern.
Das gute Angebot
Man sagt, zwischen Genie und Wahnsinn verlaufe nur ein schmaler Grat. Ebenso schmal ist die Grenze zwischen einem tüchtigen Spieler und einem tüchtigen Schwindler. Spieler und Schwindler haben eine Menge Fähigkeiten gemeinsam: Sie kennen das Spiel so gut, wie ihre eigene Westentasche, sind mutig und einsatzfreudig, sie haben Nerven wie Drahtseile und bewahren einen kühlen Kopf in brenzligen Situationen. Außerdem wissen sie, wann sie sich zurückhalten müssen.
Richard Marcus war ja auch ein hervorragender Spieler, bevor er ein Schwindler wurde. Nebenbei war er auch als Dealer in einem Casino angestellt, und das Wissen, das er sich somit von beiden Seiten des grünen Tisches aneignen konnte, sollte bei der Besiegelung seines Schicksals eine bedeutende Rolle spielen.
Richard Marcus kümmerte sich um seine Arbeit, als er eines Tages ein Angebot von einem Mann namens Classon erhielt. Classon wusste, dass Marcus in den Casinospielen gute Fähigkeiten besaß und bot ihm einen Platz in seinem Team an. Ein solches Angebot konnte Marcus nicht ablehnen. Er wusste zwar, dass es gefährlich sein würde, ging aber trotzdem direkt in die Lehre als professioneller Casinobetrüger.
Innovativer Striptease
Classon wurde für Marcus ein Lehrer, Leiter, Mentor und auch eine Vaterfigur. Er brachte Marcus alles bei, was es über die Betrügerei im Casino zu wissen gab und ermunterte ihn dazu, sich auch selbst neue Methode auszudenken. Das war genau das, was Marcus dann auch eines zufälligen Abends in einem Striplokal tat. Während er so da saß und die Show genoss, nahm die Idee in seinem Kopf langsam Form an und als sich eine Stripperin plötzlich auf seinen Schoß setzte, war die Denkarbeit vollbracht! Er benannte seine neueste Schwindelnummer nach dieser Stripperen - der "Savannah-Trick" war geschaffen.
Bei "Savannah" legte Marcus drei rote 5-Dollar Jetons in einem Stapel auf den Roulettetisch. Das war ein so geringer Einsatz, dass der Croupier ihn kaum eines Blickes würdigte. Wenn Marcus dann aber gewann, sprang er von seinem Platz auf und begann vor Freude zu kreischen und herumzutanzen. Wenn also nun der Croupier, verwundert über die Freude, die ein so lächerlicher Gewinn auslösen konnte, seine Aufmerksamkeit auf Marcus richtete, deutete dieser auf seinen Stapel mit den 5-Dollar Jetons und sagte: "Ja ja, Mister, das ist ein brauner Jeton unter dem rotem hier". Und genau so war es: Hob der Croupier die drei Jetons, fand er darunter einen braunen Jeton im Wert von 500 Dollar.
Der Croupier brauchte keine Brille - der braune Jeton hatte bloß die ganze Zeit unter den drei roten Jetons gelegen. Die roten Jetons waren jedoch gestapelt und ein wenig weiter vorgeschoben, als der braune Jeton. Damit wurde der braune Jeton für den Croupier nicht mehr sichtbar.
Gab es auf den Einsatz im Gegensatz dazu jedoch keinen Gewinn für Marcus, entfernte er mit einem geschickten Handgriff flott den braunen Jeton in dem Moment, in dem der Croupier aufs Rouletterad schaute, um die siegreiche Nummer zu sehen. So hatte Marcus bloß 15 Dollar verloren.
Die Essenz der Schwindelnummer ist natürlich, dass der Croupier nicht den braunen Jeton unter den roten erkennt - und das kann der Croupier nicht, da die kleine Verschiebung der Jetons eine geniale optische Täuschung schafft.
Der Meister packt aus
Mit seiner Betrügerei kam Marcus weit herum. Zahlreiche Casinos in Atlantic City, Las Vegas, London und Monte Carlo haben in jener Zeit zu seinem Vermögen beigetragen. Denn das allesentscheidende für einen guten Schwindler ist, das er nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Viele Betrüger, die von den Casinos erkannt werden, sind schlechte Spieler, die im Schwindel eine Abkürzung zum großen Gewinn sehen. Sie sind jedoch verzweifelt, schlecht vorbereitet und verhalten sich dementsprechend ungeschickt, wodurch sie entdeckt werden. Marcus war cleverer und arbeitete darüber hinaus in einem Team, das ausschließlich aus "smarten" Schwindlern zusammengesetzt war.
Die Casinos sind sich bewusst, dass es immer auch Schwindler geben wird, solange Spiele angeboten werden. Darum wenden die Häuser einen bedeutsamen Teil ihrer Einnahmen für die Installation von Antibetrugssystemen auf. Eine Waffe, die von den Casinos gerne verwendet wird, ist ein System, dass Betrüger automatisch erkennt, sofern ein Bild von ihnen im System hinterlegt ist. Eine andere Waffe der Casinos ist die Anbringung einer Vorrichtung an den Jetons, die ein Signal an den Croupier sendet, so dass dieser genau weiß, welcher Spieler noch über wieviele Jetons genau verfügt.
Marcus traut diesen Anti-Betrugsmaßnahmen der Casinos nur wenig zu. "Es gibt keine einzige lebende Person, die von einem Wiedererkennungssystem gefangen wurde. Dazu muss man nicht einmal einen falschen Bart oder eine blaue Brille aufsetzen. Das System ist nicht besser, als die Menschen, die es bedienen."
"Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis den Schwindlern eine Methode eingefallen ist, um die Signale auf den Jetons zu manipulieren und den Croupier damit hineinzulegen."
"Die Technologie kann den Betrug nicht schlagen. Ich werde zu jeder Zeit in ein Casino gehen, eine meiner Betrugsnummern durchziehen können und wieder hinausgehen, bevor sie erkannt haben, dass sie dermaßen angeschmiert wurden, das es wehtut," sagt der Betrüger.
Richard Marcus' Betrügerei fand jedoch eines Tages ihr jähes Ende. Er wurde entdeckt und verurteilt. Heute veröffentlicht er Bücher über die Casinoschwindelei - einmal Schwindler, immer Schwindler!