Mehr Glücksspielangebote zu Land werden Risiko periphärer Kriminalität erhöhen Im Einklang mit den anderen anti-Glücksspiel-Berichten der britischen Presse am Wochenende gaben sich auch die Politikseiten im "The Guardian", wo die politische Motivation hinter der Regierungsentscheidung zur Reformierung der Glücksspielgesetzgebung und Regulierung anstelle von einem Verbot besprochen wurde. Als Kommentar darauf, dass die Pläne, Großbrittanien zu einem Onlineglücksspielzentum zu machen, noch implementiert werden müssten, berichtet die Zeitung, dass nach einer Studie des Kultusministeriums bereits eine Million Menschen online spielten. Laut der Nielsen/Netratings Agentur seien es sogar bereits bis zu 6 Millionen. "Wenn sie ehrlich wären, würden die Minister anerkennen, dass Glücksspiele einen Teil der Schulden ausmachen, die so viele Haushalte verarmen lassen. Die letzte Erhebung zur Verbreitung von Glücksspiel wurde 1999 durchgeführt und eine neue wird nicht vor Ende dieses Jahres zu erwarten sein. Schon zum Jahrhundertwechsel waren jedoch bereits so viele Menschen süchtig nach Glücksspielen wie nach Drogen und alle Beobachter denken, dass diese Zahlen explodiert sind, seit durch das Internet jeder Spieler rund um die Uhr den Fix in seinem Wohnzimmer abrufen kann," beschreibt der Guardian seine Einschätzung. Die Zeitung kommentiert weiterhin den kommenden Bericht der British Medical Association von Professor Mark Griffiths und bezieht sich dabei auf eine polizeiliche Einschätzung von vor einem Jahr, dass mit einem Zunehmen von Landcasinos ein Anwachsen der Kriminalität einher gehen werde. Sie schließt mit einer Warnung an die Regierung, sich nicht zu sehr in die Abhängigkeit von Steuereinnahmen aus Glücksspielen zu begeben. Der Polizeireport, auf den sich The Guardian bezieht, wurde gründlich von "The Observer" diskutiert, wo Investigations Editor Antony Barnett offenbar gemeinsam mit TV-Produzenten von Channel 4 an einer Glücksspielstory arbeitete, die am 22. Januar in Großbrittanien ausgestrahlt werden soll (während der Internationalen Casino-Ausstellung im Earl's Court in London). Der *geheime* Polizeibericht werde, so der Observer, sehr peinlich für Kultusministerin Tessa Jowell werden, und fügt hinzu, dass sie die nationalen Gambling-Reformpläne als gut für das Land angepriesen habe und in zwei Wochen den Namen den Standort des ersten Supercasinos im Land bekannt geben werde. Die Zeitung ist der Ansicht, dass der interne Polizeireport die Versprechen der Regierung unterminiere, mit den neuen Casinos keinen Anstieg in Kriminalität oder Spielsucht, insbesondere unter jungen Menschen, mit sich zu bringen. Weiter heißt es, "anfällige" Gruppen könnten zum Glücksspiel geködert werden, wodurch es zu einem konsequenten Anstieg der Kriminalität und unsozialen Verhaltens kommen könnte. Offenbar erhielten Channel 4 Dispatches* und The Observer Zugang zu einer Kopie des Polizeireports. Erstellt wurde dieser von Großbrittaniens Top-Officer für Glücksspiele, Detective Inspector Darren Warner von der Metropolitan Police's Gaming Einheit, der darum gebeten wurde, seine Ansichten an die Berater von PricewaterhouseCoopers zu übermitteln, welche eine Studie zur sozialen Wirkung eines neuen Supercasinos im Millenium Dome vorbereitete. Der Report trägt als Datum März 2006, war bislang jedoch noch nicht veröffentlicht worden. Obwohl er den Super-Casinos ein "vorsichtiges Willkommen" gibt, vertritt Inspector Warner die Auffassung, dass "mit einer solchen Entwicklung, von der tausende oder mehr Menschen am Tag angezogen werden, offensichtliche Probleme zu Tage treten werden. Der größte Beitrag zu den Problemen antisozialen Verhaltens in diesem Bereich ist nicht die Tatsache, dass die Häuser Glücksspiellizenzen erhalten, sondern der zusätliche Punkt, dass sie auch Lizenzen für den Ausschank alkoholischer Getränke haben..." Der Polizeiexperte diskutiert die Wirkung von neuen Landcasinos, insbesondere nach der Entschärfung der britischen Alkoholgesetze. Sein Report umfasst die Gefahren, die damit verbunden seien, wenn man die jungen Menschen der Casinokultur aussetze: Betrunkenes und unsoziales Verhalten sowie die Gefahren sexbasierter Anziehungspunkte. Er kritisiert zudem die Regierung dafür, dass sie den Casinos erlaube, Einsätze zu akzeptieren, ohne dass die Spieler Mitglieder werden müssten. Warner sagt: "Die Mitgliedschaftsregel wird aufgehoben. Dies wird mit der Erfordernis für Casinos ersetzt, sich von denen, die das Casino betreten, eine Identifikation geben zu lassen. Für die Durchsetzung des Gesetzes ist dies unzureichend." Mit Identifikation meint Warner den Pass oder Führerschein - eine Auflage, der die Industrie bislang, auch mithilfe von Ministern, widerstehen konnte. Der Beamte ist auch nicht gerade über die Rekrutierung von kürzlich eingetroffenen Osteuropäern als Mitarbeiter in den Casinos erfreut. "Die Industrie, die sich damit rühmt. 'regulierter zu sein als die Londoner oder New Yorker Börse' verfügt über eine Belegschaft, deren Vergangenheit nicht einen Tag länger zurück verfolgt werden kann, als seit ihrer Ankunft in Großbrittanien," erklärt er. Die Veröffentlichung des Briefs könnte politischen Unmut zu dem umstrittenen Thema Glücksspiele erzeugen. Der Observer zitiert den Staatssekretär für Schattenwirtschaft, Hugo Swire, welcher sagte: "Es erscheint außergewöhnlich, dass derartige Warnungen von Polizeiexperten offenbar einfach unter den Teppich gekehrt werden sollten." ** 'Dispatches: Labour's Gambling Addiction' wird am 22. Januar um 20 Uhr auf Channel 4 gezeigt.
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